Making-of des APOD „Venus-Mond Sichel Konjunktion 2014“

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Hallo Leute,

ich darf festhalten dass ich echt sehr erfreut über mein erstes APOD Bild bin!

APOD January 4th - Christoph Malin

NASA’s APOD (Astronomy Picture of the Day) gibt es seit 1995, und wird als die weltgrösste Astronomie Webseite gesehen. Übrigens auch eine der ersten Webseiten weltweit, auf der HTML Programmierung eingesetzt wurde.

Kleines Detail am Rande: Die lieben TWAN Kollegen halten (zum 15. Januar 2014) 184 APODs. Na Servus.

Aber zuerst einmal geht ein grosser Dank an meinen TWAN Kollegen und guten Freund Babak Tafreshi für die Inspiration zu diesem Bild, und TWAN Kollegen Bernd Pröschold ein herzliches Dankeschön für den Wetter cross-check! Und vielen Dank auch an ein Wolkenloch voll mit blauem Himmel über den Schweizer Bergen.

Das Loch in den Wolken das dieses APOD möglich machte.

Das Loch in den Wolken das dieses APOD möglich machte.

Der lange und winkelige Weg zu einem APOD

Ich möchte an dieser Stelle gerne einen kleinen Einblick in die Entstehung dieses APOD’s geben.

Zum einen weil es so ein wunderbares Abenteuer war, es bildlich festzuhalten. Eine Menge Vorausplanung, ein ordentliches Quäntchen Glück, und ein sehr freundlicher Almeler waren die Zutaten zu diesem Bild.

Zum anderen werden diese Bilder natürlich manchmal auch erst Dank meiner sehr verständnisvollen möglich, da ich für die Fahrt zur Location und das Processing noch am selben Abend (wer ein APOD bekommen will muss schnell sein) einen Nachmittag und Abend eines Familienurlaubs opfern durfte.

Schlussendlich war es einfach nur wunderbar, diese wirklich sehr schöne Konjunktion durch mein ARTES HR8.5×45WP Fernglas zu beobachten. Eine Erfahrung die ich nie wieder vergessen werde.

Alles zusammen, das Abenteuer, die Planungen, das Glück, all das ist es was ich an der TWAN Landschafts-Astrofotografie so liebe.

Also hier und jetzt ein kurzes „Making-of“!

Apps für die Planung

Auf der Software Seite gibt es hilfreiche Apps die die Planung und Last-Minute Änderungen einfacher machen und die Erfolgschancen erhöhen. Der Rest ist Glück (Wetter) und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Für das iPhone benutze ich RedShift (auch für OSX erhältlich), PeakFinder, WeatherPro, MeteoEarth und seltener PhotoPills und SunSeeker. Natürlich ist Google Earth das Hauptwerkzeug für die Simulation und Recherche von Landschaften.

Ein kurzer Trip in die Schweiz

WeatherPro’s Vorschau für meine geplante Location in Schruns, Montafon, schaute für den Vorabend der Konjunktion gar nicht so schlecht aus. Mein Auto war bereit, alles für den Einsatz geladen. Stativ, Nikon D800, geladene Batterien, 2-fach Konverter, Fernglas.

Warum die Nikon D800? Für ein anspruchsvolles Projekt wie dieses ziehe ich die grosse Nikon mit ihren fantastischen Crop-Fähigkeiten im Postprocessing und der herausragenden Bildqualität bis in hohe ISO Bereiche anderen vor.

Natürlich macht ein 2x Telekonverter wie Nikon’s TC2-E3 das Bild ein bisschen „weicher“, aber indem ich so lange wie Möglich auf Blende 8 abblendete, konnte ich diesen Effekt ein wenig abmildern. Mein gutes altes 4th Gen. AFS 80-200/2.8 brachte mir einen guten Arbeitsbereich.

MeteoEarth View of the Day

MeteoEarth View of the Day

Die Satelliten Daten die mir Bernd früher am Tag für hohe und niedrige Wolken geschickt hatte, schauten ebenfalls vielversprechend aus.

wrf_high_clouds

gfs_medium_clouds

Entscheidung in letzter Minute

Allerdings schaute es zum Zeitpunkt als ich am Nachmittag des 2. Jänners losfuhr für meine ursprünglich geplante Location (Schruns, oberes Montafon) gar nicht mehr gut aus. Blauer punkt – meine Location, geplante Location – roter Punkt. Und soviel Zeitreserven zum herumfahren hatte ich nicht.

Weather Pro Satellitenansicht für 2. Januar

Weather Pro Satellitenansicht für 2. Januar

Allerdings, während ich in Richtung Schruns unterwegs war, öffnete sich doch tatsächlich das blaue Loch im Himmel, das auf der Weather Pro Animation nahe der Schweizer Grenze herum eierte.

Ich fuhr rasch von der Autobahn bei Feldkirch ab, rief den Kollegen Pröschold und hatte Glück. Bernd Pröschold saß gerade vor seinem PC, und checkte selbst wie andere TWAN Fotografen weltweit, die Wetterdaten für seine geplante Location nahe Köln.

Nach einem kurzen Gespräch in dem wir Wolkenbewegungen und Windrichtungen diskutierten kamen wir überein, dass es wohl das beste für mich sei in Richtung Westen – Schweiz zu fahren. Die Hoffnung war, dass zu dem Zeitpunkt an dem ich hinter dem Alpstein Bergmassiv eintreffen würde, sich das Wolkenloch immer noch über mir befinden, und guten Blick nach Süden erlauben würde.

Zwar würden später wieder Wolken nachziehen, aber bis dahin sollte ich fertig sein. Aber: ich kannte die Gegend um den Alpstein nicht wirklich! Den richtigen Winkel der Berge am Horizont zur Venus und zu meiner eigenen Position zu finden, würde eine echte Herausforderung werden. Das Abenteuer konnte beginnen.

Bevor ich losfuhr checkte ich noch den Horizont mit PeakFinder und die Karte mit Google Maps, um eine ungefähre Idee zu bekommen, in welche Region ich fahren musste um einen guten Blick nach Süden zu bekommen.

Horizon Sicht zum Alpstein

Horizon Sicht zum Alpstein

Horizon View of Switzerlands Alpstein

Ich entschied mich rasch für die Bergregion westlich des „Hoher Kasten„, namens „Appenzell“. Nur 55 Minuten später war ich schon in der schönsten Landschaft der Schweiz unterwegs, die man sich nur vorstellen kann. Ich behielt während der Fahrt die Sonne im Seitenfenster, da die Venus zirka 4 Grad rechts der Sonne untergehen würde.

RedShift Ansicht der Venus/Moon crescent conjunction

RedShift Ansicht der Venus/Moon crescent conjunction

Während ich durch die Landschaft glitt, wurde aber klar, dass die „Hoher Kasten“ Bergstation von Norden aufgrund der Schneelage so schnell nicht erreichbar war.

"Hoher Kasten" Bergstation

„Hoher Kasten“ Bergstation

Ich realisierte rasch dass die „Säntis“ Bergstation eine wesentlich geeignetere Silhouette zur Venus abgeben würde, zusätzlich zu den dramatischen Schnee-Windverfrachtungen die am Gipfel stattfanden (aber während des Crescents aufhörten).

Säntis Aerial View aus WikiPedia

Säntis Aerial View aus WikiPedia

Säntis und irisierende Windverfrachtungen

Säntis und irisierende Windverfrachtungen

Starke Föhnwinde am Säntis

Starke Föhnwinde am Säntis

Nun musste ich meine Position weit mehr im Osten des Säntis suchen um die Venus über diesem berühmten Schweizer Wahrzeichen zu erhaschen.

Auch musste ich noch einiges an Höhe gewinnen um eine gute Sicht zum Horizont zu bekommen. Als ich auf immer kleinere Bergsträsschen kam färbte die Sonne bereits die Gipfel rot – die Zeit lief.

Ich hatte den „Guggeier“, einen Hügel im Osten meiner Position als Ziel mit Höhe und guter Aussicht ausgemacht, musste aber meinen Weg durch ein Geschlängel von einer Zillion Berg- und Zufahrtsstrassen und jeder Menge Sackgassen finden.

Ich checkte immer wieder Google Maps‘ Satelliten Ansicht um zu sehen wohin die Reise gerade führte, und es kostete mich noch einmal 5 Minuten um die richtige Strasse zur gesichteten Location zu finden. Wobei man sagen muss dass Google Maps beim Ein- und Auszoomen am iPhone ganz schön zickig sein kann.

Die Sonne ging weiterhin rasant an den höchsten Gipfeln schon unter…

Versucht das mal auf einem iPhone - schöne Herausforderung.

Versucht das mal auf einem iPhone – schöne Herausforderung.

Sicht auf den Säntis an meiner späteren Location.

Sicht auf den Säntis an meiner späteren Location.

In einer Sackgasse

Dann passierte der WorstCase: nach weiteren 5 Minuten auf einer engen Bergstrasse landete ich in einer Sackgasse an einem Privathaus. Aufgrund von Bäumen die mir etwas weiter unten die Sicht versperrten war ich noch ein kleines Stück weiter hochgefahren. Dieser Platz war nun meine letzte Option.

Die Venus Uhr tickte laut. Ich lief um das Haus herum um nach Erlaubnis zu fragen, aber alles geschlossen. Was sollte ich tun. Ich wollte ganz und gar nicht unerlaubt auf fremdem Grund fotografieren.

Wie auch schon vorher während der Irrwege auf den Strässchen, war gerade jetzt weit und breit kein Mensch zu sehen. Doch glücklicherweise änderte sich das im nächsten Moment: ein Auto fuhr mir auf der kleinen Bergstrasse zum Haus entgegen. „Oje“, dachte ich, „jetzt gibt es einen sauberen Anschiss“.

Ein Älpler sprang aus dem Auto, und fragte sofort was ich denn hier so triebe, aber mit einem freundlichen Gesicht (ich muss wohl in dem Augenblick ein wenig Hilflos gewirkt haben).

Danke lieber Gott. Ich hätte es verstanden, wäre er ärgerlich gewesen, da ich ihn nicht um Erlaubnis gefragt hatte.

Es stellte sich heraus, das er der Aufseher über das Anwesen war, solange die Besitzer nicht auf Urlaub da waren. Nachdem ich ihm erklärt hatte was ich fotografieren wollte und warum genau da, lächelte er und sate: „echt kein Problem“, schüttelte mir die Hand und wünschte mir „alle Zeit der Welt“.

Ich bedauere sehr in der Eile keinen Kontakt notiert zu haben, wie gerne wäre ich mit dem Mann später noch auf ein Bier gehockt um mich zu bedanken. Die Schweizer werden oft für dies und das kritisiert, aber fragt man höflich und erklärt das Ansinnen – was ich normalerweise immer tue, wird man in der Regel freundlich empfangen.

Natürlich half mir in diesem Moment meine Jugend im nahen Vorarlberg wie auch im Montafoner Tal, denn ich kann ein wenig „Schwyzerdütsch“ und verstehe etwas Romanisch, was bei dieser Konversation half.

D800 mit AFS 80-200/2.8 und TC2-E3 am Set...

D800 mit AFS 80-200/2.8 und TC2-E3 am Set…

Keine Sekunde zu spät baute ich die Nikon D800 / AFS 80-200/2.8 Kombi auf, fokussierte vor, und startete sofort das Imaging mit dem ARTES Fernglas in meiner Rechten Hand um das Motiv zu checken, und dem Fernauslöser in der Linken Hand. Die D800 im „MUp“ Modus.

Die sehr schwach sichtbare Mondsichel war fast unmöglich ohne Fernglas zu sehen. Ich arbeitete dann am Motiv mit und ohne TC2-E3 converter. Währenddessen fiel mir auf, dass es für die beste Schärfe besser war, zuerst mit 200 mm im LifeView der D800 zu fokussieren (Änderungen beim Zoomen erfordern manchmal ein Nachfokussieren) und dann den 2x Konverter zu montieren. Anstatt mit dem TC2-E3 Konverter zu fokussieren. Na servus.

Tipp: Für Motive dieser Art und andere Sternenfotos IMMER im Liveview und maximaler Vergrösserung vorsichtig von Hand fokussieren und den AF nachher nicht mehr anrühren.

Crop des Venus Bildes. Die Sichel der Venus ist ganz klar sichtbar.

Crop des Venus Bildes. Die Sichel der Venus ist ganz klar sichtbar.

Venus und Mondsichel über dem Säntis.

Venus und Mondsichel über dem Säntis.

Crop des Venus Bildes. Die Sichel der Venus ist ganz klar sichtbar.

Crop des Venus Bildes. Die Sichel der Venus ist ganz klar sichtbar.

Schliesslich verschwand die Venus hinter dem Alpstein, Dämmerung setzte ein, und des Mondes Earth Shine war für lange Zeit sichtbar. Zeit ein bisschen zu entspannen und die Szenerie zu geniessen.

Das war der Zeitpunkt an dem unter dem Säntis eine Nachtskipiste zu leuchten begann. Oje, Lichtverschmutzung sogar an diesem Ort… Aber die D800 verkraftete auch diesen Kontrast sehr gut.

Was für eine Lichtverschwendung für eine Handvoll Skifahrer!

Was für eine Lichtverschwendung für eine Handvoll Skifahrer!

Earthshine und die Gipfel des Alpstein am Horizont.

Earthshine und die Gipfel des Alpstein am Horizont.

Der Mond sinkt am Horizont.

Der Mond sinkt am Horizont.

Der Mond hinter einem Wolkenband.

Der Mond hinter einem Wolkenband.

 

Sehr üble Lichtverschmutzung durch Nachtskilauf.

Sehr üble Lichtverschmutzung durch Nachtskilauf.

Schliesslich Zeit für ein Panorama. Was für ein toller Platz, wäre da nicht die Lichtverschmutzung.

Panorama meiner Venus imaging location.

Panorama meiner Venus imaging location.

Wie Bernd in etwa vorausgesagt hatte, zogen nun Wolken aus dem Nordwesten herein. Also hatte das blaue Himmel Loch in den Wolken doch genau so lange gereicht, um dieses eine Bild zu bekommen.

Danke auch an den unbekannten Piloten, der sein Flugzeug genau zwischen Mond- und Venus-Sichel durchgesteuert hat. Vielen vielen Dank.

Nach dem Panorama Foto packte ich alles zusammen, und fuhr müde aber glücklich heim, um noch die Bilder zu verarbeiten und an APOD zu senden.

Am nächsten Morgen entdeckte ich, dass ich wohl ein Manfrotto Stativ an der Location stehen gelassen hatte. Also muss ich da nochmal hin. Diesmal aber auf ein Bier mit dem Älpler.

Alles zusammen ein grossartiges Naturschauspiel und Abenteuer dank exzellentem Teamwork.

Danke auch fürs Zuschauen.

Alles Gute und happy 2014!
Christoph Malin

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