Im Regen: Tests des GBT Rigs vor der ESO Ultra HD Expedition

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Nur noch wenige Wochen vor der ESO Ultra HD Expedition nach Chile teste ich derzeit meine Ausrüstung mit neuen XTPower Powerbanks, und eben auch mit meinem autonomen GBTimelapse Rig, um den Emotimo wie auch die Canon 6D mit Strom zu versorgen.

Während eines solchen Tests ist ein wunderschöner Time-lapse einer belichtungstechnisch sehr schwierigen Szene entstanden, den ich gerne teilen möchte. Diese Zeitrafferaufnahme zeigt ein Motiv mit einem immensen Belichtungsumfang vom Sonnenuntergang bis zu einer mondhellen Nacht mit Föhnsturm, der in der Früh in ebenso stürmisches Schneewetter übergeht. Details und Video untenstehend.

Wetterumschwung von Christoph Malin auf Vimeo.

Ziel: Na, mal sehen wieviel Regen mein GBTimelapse Rig aushält…? Nein, nicht wirklich das Ziel dieser Aktion gewesen, aber immer gut zu sehen, dass die Abdichtung der Canon 6D und des AFS Nikon 14-24 wetterfest sind (wenn auch nicht wasserdicht, no na).

Technik: „Holy Grail“ Day to Night to Day Transition gesteuert von GBTimelapse… Jede Menge Wolken die vor dem Mond vorbeiziehen, was normalerweise starkes Flackern einer derartigen Sequenz verursacht.

Start: 17:57 Abends, einen kleinen Moment nach Sonnenuntergang, Ende 07:08 Morgens (eigentlich für 10:00 Uhr vorgesehen, aber ich beendete die Aufnahme aufgrund des starken Schneefalls). Die Wettervorhersage lautete: Nach einer stürmischen Föhnnacht erfolgt ein Wetterumschwung mit Schlechtwettereinbruch in den frühen Morgenstunden und Schnee über 800 m Höhe…

Als ich in der Früh das Rig abbaute, hatte es schon zu Schneien begonnen, aber durch die noch offene Blende zum Zeitpunkt der Beendigung der Aufnahme (sie wäre später dann im Laufe des Morgens weiter geschlossen worden), sieht man die Regentropfen noch nicht so stark.

Notiz: GBTimelapse kann zur selben Zeit folgende Parameter des Zeitraffers steuern, bzw automatisch rampen
– ISO
– Blende
– Intervall
– Farbtemperatur
– Belichtung
wie auch eine sogenannte automatische Sonnenuntergang/Aufgangs-Belichtungskompensation aufgrund der GPS Koordinaten des Aufnahmeortes in die Belichtung einfliessen lassen.

Nass, nass, nass.... Canon's 6D und Nikon's AFS 14-24 sind einigermassen Wetterfest. Übertreiben sollte man es aber auch nicht...

Nass, nass, nass…. Canon’s 6D und Nikon’s AFS 14-24 sind einigermassen Wetterfest. Übertreiben sollte man es aber auch nicht…

Weiterhin hält GBTimelapse die Belichtung im Bereich einer ebenfalls vom Nutzer vorgegebenen Ziel-Luminanz konstant, kann diese aber an Helligkeitsschwankungen rasch autonom anpassen. Dies erfolgt durch den fortlaufenden Durchschnittsvergleich vorangegangener Bilder der Sequenz, die es gerade aufnimmt.

Und als ob das nicht genug wäre, erlaubt GBTimelapse ausserdem die Anzeige des bisher aufgenommenen Zeitraffers als Timelapse-Preview, und jederzeit einen Eingriff in Schlüsselparameter des laufenden Zeitraffers.

Man versuche, das mit einem Android Tab zu machen. Die auf dieser Plattform erhältliche App DSLRDashboard ist grossartig, in dem sie auch die Benutzung mit Nikon Kameras erlaubt, erzeugt aber in nicht die fast fix und fertige Premium Footage von GBTimelapse.

Daher ist die Idee, ein starkes Ultrabook mit einer umfangreichen Applikation wie GBTimelapse zu nutzen, gar nicht so abwegig. Man sollte mit dieser mächtigen Steuerungssoftware hardwareseitig auch nicht unter Core i5 Level gehen, ein Atom Prozessor ist definitiv zu langsam.

Ich habe mich nach langer Recherche und einigen Tests vorab im Windows 8 Tablet Lager dann doch für das bewährte Arbeitspferd 11″ Macbook Air als Plattform für GBTimelapse entschieden. Das „Air“, vom Erfinder des Ultrabooks, ist die Budget-Variante im Apple Lineup, und hat mir bisher schon beste Dienste geleistet, egal ob auf 5000 m des Altiplano oder Alpengipfeln.

Für die Steuerung des GBT Rigs nutze ich das Air mit einem Win7 / OSX dual boot, da ich mit Parallels und GBT doch IRQ Probleme bei der Ansteuerung des Emotimo / Berkey Steppers hatte. Die bewährte MacBook Air Hardware hat das gelöst, und ist ein absoluter No-brainer.

Equipment:

– mein guter alter Stage Zero Dolly, ein robuster, einfach zu programmierender Dinosaurier unter den Zeitraffer Kameraschlitten
Pelicases
Emotimo / Canon 6D / Aperture Stepper mit Nikon AFS 14-24/2.8 gesteuert mit GBTimelapse, auf einem 11″ MacBook Air, mit zusätzlichem HyperJuice 150 Powerbank, frühe Variante des Rigs hier
– Emotimo powered by 12V XTPower Powertank, Stage Zero auf DP LiIon Akku
– 1740 Bilder RAW Sequenz von GBTimelapse und dem MacBook Air direkt auf Angelbird’s extrem robuste SSD2Go gespeichert

Programmed Move:
– … SZ „kriecht nach rechts“, Emotimo dreht langsam nach links

Processing:
Nicht wirklich viel notwendig…

1) 1740 Canon RAW Bild Sequenzen importiert in Adobe Lightroom 5, Color graded/Highlights/Shadow, kurz Previews zur visuellen Kontrolle erstellt, kleinere Korrekturen, abschliessend alle Änderungen in die Metadata/XMPs gespeichert, dann raus aus LR5
2) die LR5 Sequenz inklusive aller XMPs derselben in Adobe After Effects CC importiert und als 4K ProRes 4444 Quicktime gerendert (dauert auf einem aktuellen Retina 15″ MacBook Pro 02 Stunden 14 Minuten (siehe meinen Test zum Thema MacPro time-lapse processing)

Notiz: AfterEffects ist während des Renderns in der Lage alle XMPs so einer Sequenz auszulesen, nicht nur das erste Bild. Also macht man in Lightroom nur noch das Color Grading der Sequenz, speichert diese Änderungen in den Metadaten, importiert und rendert diese dann in AE raus. Hier macht es sich doppelt bezahlt dass GBTimelapse perfekt gerampte Zeitraffer Sequenzen produziert. Eine Zwischenverarbeitung zB mit LRTimelapse ist hier nicht mehr notwendig, und das spart – so sehr ich LRTimelapse für viele Spezialfälle auch schätze – enorm Zeit.

Fazit:
Es ist wirklich aussergewöhnlich, und überrascht mich immer wieder aufs neue, wie extrem genau GBTimelapse die automatische Luminanzkontrolle und autonome Belichtung derartiger Zeitraffer bewältigt, inklusive kompletter Belichtungsänderung in der Früh. Und dazu auch noch einen 2-Achsen Roboter, den Emotimo steuert. Das Canon spezifische Bulb Ramping, also die Steuerung der Kamera im Zehntelsekundenbereich anstatt von groben Drittelstufen, macht schon Sinn, und ergibt RAW Footage die ausser beim Color Grading in der Regel keine weitere Nachbearbeitung mehr benötigt.

Das lässt diesen Zeitraffer eigentlich sehr einfach aussehen, ist er aber nicht. Die konstante Helligkeit des Mondlicht Himmels im Vergleich zur Landschaft, über die die Schatten der Wolken huschen, zeigen nur einmal mehr, wie effektiv der GBTimelapse Algorithmus arbeitet. Das Ergebnis sind perfekte „Overnight Holy Grails“ die in der Post Produktion immens Zeit sparen. Auch ein GBDeflicker Run war bei diesem Zeitraffer nicht mehr notwendig.

Ein angenehmer Nebeneffekt des MacBook Airs: Man kann natürlich die Sequenz auch auf ein externes Medium schreiben, in meinem Fall eine SSD. Aber nicht irgendeine. Zurück im Büro, nahm ich die Angeldisk SSD2go vom GBT Pelicase, und konnte sofort mit dem Postprocessing beginnen ohne Zeit zu verlieren.

Eine Bemerkung zur neuen SSD2go: Angelbirds SSD2go darf derzeit als vielleicht beste SSD Option für anspruchsvolle Anwendungen (insbesondere im Expeditionsbereich) gesehen werden. Dieses kleine Wunderwerk aus Vorarlberg übertrifft alles was ich diesbezüglich in einer langen IT Karriere beruflich gesehen habe.

Diese SSD ist super stabil, schnell wie der Teufel, zudem entwickelt, designed und produziert in Österreich. Und die SSD2go ist nicht nur pfeilschnell, sondern auch sehr ausfallsicher… Um ein Maximum an Datensicherheit zu gewährleisten spendiert Angelbird einen Schaltkreis für Überlast- und Statische Aufladung sowie eine Uninterruptible Power Supply (UPS), für einen four second power backup der die SSD im Falle eines Ausfalls der Stromversorgung sicher herunterfährt.

Gerade beim Zeitraffern kennt man ja das Problem „spontaner“ Stromausfälle zur Genüge, so etwas kann immer passieren. Mit der SSD2go und GBTimelapse jedoch kann ich ab sofort beruhigt nicht nur am Set ein Nickerchen machen. Die Nächte sind ja ohnehin anstrengend genug.

Cheers
Christoph Malin

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